Erfahrungsbericht Weltraumbestattung

Letzte Reise zu den Sternen – 1997 fand die erste Weltraumbestattung statt

Ev. Pressedienst Nr. 45/02 vom 18.04.2002:

Seit einem halben Jahr blickt Heike Wulfes oft in den Himmel. Denn irgendwo dort oben, so weiß die 40-jährige aus Ilten bei Hannover, ist ihr verstorbener Sohn Leif-Lennart. Und das im wörtlichen Sinn: Ein Teil der Asche des Jugendlichen, der mit 16 Jahren bei einem Fahrradunfall ums Leben kam, wurde Ende September mit einer Rakete zur Weltraumbestattung ins All geschickt.

“Er hat immer andere Wege gesucht, als nur der Norm zu entsprechen”, sagte Heike Wulfes über ihren Sohn. “Es war klar, dass wir auch hier einen anderen Weg wählen.” Möglich ist dieser ungewöhnliche Weg seit genau fünf Jahren: Am 21. April 1997 brachte die US-amerikanische Rakete “Pegasus XL” von Gran Canaria aus erstmals 24 Mini-Urnen ins Weltall.

Ein Flugzeug vom Typ Lockheed L-1011 Tristar trug die 3-stufige Rakete zunächst auf eine Höhe von 11.000 Meter. Dort klingte sie sich aus, stürzte 5 Sekunden in die Tiefe und wurde dann gezündet. Auch zwei Prominente Amerikaner ließen auf diese Weise ihre sterblichen Überreste in unendliche Weiten bringen, der Psychologe Timothy Leary (1920-1996) und Jahre nach seinem Tod der Erfinder der Sience-Fiction-Serie “Raumschiff Enterprise”, Gene Roddenberry (1921-1991).

Inzwischen läuft die Weltraumbestattung über bodengestützte Taurus-Raketen, die vom amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Vandenberg/Kalifornien aus starten. Diese nehmen neben einem Satelliten auch einmal pro Jahr rund 30 mit Aluminium ummantelte Kapseln mit an Bord, so groß wie ein Lippenstift und gefüllt mit etwa 7 Gramm Asche. Der Behälter mit den Kapseln löst sich in mehreren hundert Kilometern Höhe vom Satelliten.

“Er kreist dann jahrzehntelang elliptisch um die Erde, bis er irgendwann in die Atmosphäre eintaucht und verglüht wie eine Sternschnuppe”, erzählt Manfred Lessing. Der 59-jährige Kaufmann ist seit 1997 in einem Nebengewerbe Europa-Repräsentant der Firma Celestis “das Himmlische”. Diese wurde 1985 von Raumfahrt-Veteranen in Houston/Texas gegründet und organisiert als bisher einzige Weltraumbestattungen.

Jede Urnenkapsel trägt einen eingravierten Spruch. “Ich denke, also bin ich”, lautet er bei Leif-Lennart Wulfes. Leif war ein forschender, fragender junger Mann mit viel Fantasie, der in der Schule gute Aufsätze schrieb und ebenso gute Noten nach Hause brachte. Als er mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Zahnarzt war, prallte er auf einen asphaltierten Feldweg mit einem Auto zusammen. Einen Tag später erklärten ihn die Ärzte für tot. Seine Urne wurde auf dem Friedhof beigesetzt, ein Teil der Asche über Celestis nach Kalifornien gesandt.

Ca. 14.000 Euro kostet eine Weltraumbestattung in der Erdumlaufbahn. In Leifs Fall übernahm die Celestis-Stiftung mehr als die Hälfte der Kosten. Um den Rest zu begleichen, riefen die Eltern anlässlich der Bestattung zu Spenden für Leifs “Reise zu den Sternen” auf. Der ev. Oberlandeskirchenrath H.C. Brandy aus Hannover sieht in einer solchen Reise die “Sehnsucht nach der Verschmelzung mit dem Unendlichen”. “Den Himmel hat man überall”.

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